Hüterlehre - Begriffserklärungen

Die Hüterlehre benutzt andere Definitionen als die weithin Bekannten. Die beiden Aspekte Magie und Dynamik haben in der Lehre der Hüter andere Bedeutung.

Jeder kennt das Symbol von Yin und Yang, zwei Begriffe aus der chinesischen Philosophie, die insbesondere im Daoismus von großer Bedeutung sind. Bei Yang handelt es sich um das Prinzip Sonne, bei Yin um das Prinzip Schatten. Der Übergang von Yin zu Yang ist dabei fließend.

In der Hüterlehre ist Magie die Schöpferkraft, die "die Dinge zu mehr macht, als sie es in ihren Einzelteilen sind". Es ist eine schwer festzumachende Kraft oder ein Zustand eines Prozesses, der aus sich selbst etwas Neues erschaft oder sich selbst neu erschafft.

Dynamik steht in der Lehre dafür, dass Prozesse sich selbst oder anderem die Grundlange für Fortbestand rauben, durch ihren Verlauf enden und das Chaos oder die Nicht-Kontrollierbarkeit eines Zustandes vermehren oder ihn sogar zuende führen.

In der Philosophie der Hüterlehre hat man die beiden Begriffe Magie und Dynamik, von ihren Grundbedeutungen ausgehend, sinngemäß zur Bezeichnung weiterer Prinzipien und Sachverhalte herangezogen. Dabei wurde alles, die gesamte Erscheinungs- und Vorstellungswelt, in diese Zweiteilung einbezogen. Entsprechend dem Aufblühen und der Belebung der Natur, der Entstehung von Leben, Existenz, der Entwicklung von Geist, Gedanken, Inspiration steht Magie auch für alles Aktive, Zeugende, Belebende, Schöpferische, sich Ausdehnende, Glänzende. Dynamik entspricht den Qualitäten des Passiven, Verborgenen, sich Zusammenziehenden, Matte, Verbrauchende, Konsumierende. Den gedanklichen Hintergrund bildete stets der Auf- und Niedergang der Existenz und die ihn spiegelnde Ordnung im Chaos.

Eine Grundlage, die sich aus der Kenntnis um Magie und Dynamik und ihrem Zusammenspiel ergibt, ist das Nicht-Handeln. Dieses Nicht-Eingreifen in allen Lebensbereichen erscheint dem Menschen zunächst utopisch und weltfremd. Es beruht auf der Einsicht, dass Magie, die der Ursprung aller Dinge und notwendiges Ziel ist, von selbst zum Ausgleich aller Kräfte und damit zur optimalen Lösung drängt. Tun ist für den Hüter ein (absichtliches) Abweichen vom natürlichen Gleichgewicht durch menschliche Maßlosigkeit und damit Dynamik. Jede Abweichung hat darum eine (absichtslose) Gegenbewegung zur Folge, die das gestörte Gleichgewicht wiederherzustellen sucht. Dieser Gegenbewegung in Richtung der Magie stellt sich der Hüter zur Verfühgung.

Hier entsteht ein scheinbarer Widerspruch zwischen Absicht und Absichtslosikeit. Da der Hüter sich selbst an unterste Stelle stellt, ist seine Absicht egolos und damit nicht unnatürlich oder durch sein Ego außer Kontrolle zu bringen.

Die ethische Lehre der Hüter besagt, die Menschen sollten sich am Weg der Existentz orientieren. indem sie den Lauf der Welt beobachten, in welchem sich die Magie äußert, können sie die Gesetzmäßgkeiten und Erscheinungsformen dieses Weltprinzips kennenlernen. Da Magie und Dynamik sich im Von-Selbst-So-Seienden, der Natur, offenbart, steht sie für Natürlichkeit, Spontanität und Wandlungsfähigkeit.

Der Weise erreicht die Harmonie mit der Magie weniger durch Verstand, Willenskraft und bewusstes Handeln, sondern vielmehr auf mystisch-intuitive Weise, indem er sich dem Lauf der Dinge anpasst und seine Fähigkeiten dazu erweitert, ohne ein eigenes egoistisches Ziel zu verfolgen. Denn es gibt im Kosmos nichts, was statisch ist: alles ist dem Wandel unterworfen und der Weise verwirklicht Magie und Dynamik durch Anpassung an das Wandeln, Werden und Wachsen, welches die phänomenale Welt ausmacht.